Meine Geschichte
Mit Larry vom Rohnetal, einem Schäferhund, begann ich 1976 mit dem Hundesport. Ich habe ihn von meinem Bruder bekommen, der durch den Hausbau keine Zeit mehr für den Rüden hatte. In der neu gegründeten Ortsgruppe Hassleben/Thüringen habe ich versucht, den Hund auszubilden. Nach kurzer Zeit war mein Ehrgeiz geweckt und ich fuhr auch mal nach Erfurt. Neben der Hundeausbildung lernte ich dort auch meine Frau Pia kennen. Ich war der erste, der in Hassleben eine Prüfung ablegte. Von da an, startete ich regelmäßig auf Kreis- und Bezirksebene mit unterschiedlichsten Hunden. Seit 1991 züchte ich auf den Zwinger vom Osterburg-Quell. Der siebente Platz in diesem Jahr auf der Bundessiegerprüfung war mein bisher größter Erfolg. Dabei sah es, nachdem ich Dago übernommen hatte, gar nicht danach aus.
Mit knapp zwei Jahren war Dago zur Ausbildung bei mir. Ich sollte ihm das Apportieren beibringen. Der Hund gefiel mir sofort. Nach fünf Wochen ging er zurück zum Besitzer und ich sagte ihm, falls er den Hund mal verkaufen wolle, ich ihn sofort nehmen würde. Es dauerte dann noch ein gutes dreiviertel Jahr bis ich Dago übernehmen konnte. Sein Besitzer kam nicht mehr klar mit ihm. Mittlerweile war der Rüde schon drei Jahre alt und hatte lediglich eine bestandene Begleithundprüfung in den Papieren zu stehen.
Nun hatte ich den wohl größten Chaoten überhaupt im Zwinger. Er war völlig aufgedreht, gab nur Gas, war kaum zu händeln. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis er mich akzeptiert hatte. Er ist ein sehr selbstbewusster, in Teilen auch aggressiver Hund. Dago braucht stets und ständig seine Position. Gibt man einmal nach, würde er das sofort ausnutzen. Er ist überhaupt kein Familien- geschweige denn ein Anfängerhund. Ich bin der einzige, von dem er sich alles gefallen lässt, einiges auch nur mit tiefem Knurren. Solange ihn Fremde in Ruhe lassen, ist er sehr umgänglich. Es darf ihn nur keiner anfassen, nicht einmal meine Frau oder mein Sohn. Anderen Hunden gegenüber zeigt sich Dago völlig neutral. Er würde nie grundlos angreifen oder attackieren. Nichtsdestotrotz darf ich ihn nie aus den Augen lassen. Das nervt manchmal ganz schön und ist sehr anstrengend für mich.
Aus meiner Sicht ist er ein nervlich leicht angekratzter Hund. Allerdings setzt er das im Schutzdienst sehr gut zum Helfer um. Dass er bei der Bewachung schon mal zur Seite guckt, würde ich nicht als Schwäche bezeichnen, sondern damit erklären, dass er sogar den Richter als Gegner ansieht. Für Dago ist der Schutzdiensthelfer der absolute Feind. Egal, was er im Schutzdienst macht, er meint es so wie er es macht. Derb, wuchtig, kraftvoll. Er gibt immer 100 Prozent. Am Anfang hat er mich schon mal gestellt, heute weiß er, wie er Einwirkungen ausschalten kann – indem er das richtige Verhalten zeigt.
Als ich den Rüden übernommen hatte, habe ich wohl ein Jahr lang nur Unterordnung und Fährte trainiert. Ich hätte ihn sonst im Schutzdienst nicht führen können. Er war sehr überdreht, kämpfte ständig gegen den Hundeführer, agierte völlig chaotisch. Bei zu viel Bestätigung hat er völlig die Beherrschung verloren. Durch das Trainieren mit der Kontaktmethode habe ich das gut in den Griff bekommen. Niederer Trieb, viel Futter waren die Lösung. Ich durfte ihn nicht zu hoch drehen lassen, sonst war er überhaupt gar nicht aufnahmefähig. Ein offenes Hintertürchen gab es für ihn nie. Dadurch litt natürlich seine Ausstrahlung. Aber mittlerweile haben wir eine gute Balance zwischen Technik und Ausstrahlung gefunden. Er wird nie der Tänzer sein, aber dafür technisch immer sehr korrekt arbeiten mit einer für seine Größe wahnsinnigen Grundschnelligkeit. Damit wird Dago seine Punkte machen. Das sah auch der UO-Richter in Baunatal dieses Jahr so. Bei der Auswertung betonte er, dass Dago ein technisch sehr perfekter Hund sei.
Die Fährte nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Er gab nur Gas, war total hektisch, ist losgerannt wie ein Bloodhound. Er hätte eine Schutzhund-III-Fährte wohl unter einer Minute gesucht. Ich stand täglich mit ihm im Gelände. Nur so konnte ich ihm das abgewöhnen. Die Fährte war das Ziel, er musste sich etliche Tage sein Futter hart erarbeiten. Aber er setzte das System sehr gut um, wobei ich sagen würde, dass er keine überdurchschnittliche Nasenveranlagung hat. Heute sucht er wie ein Staubsauger, ist sehr konzentriert bei der Arbeit.
Nach einem Jahr habe ich das erste Mal wieder einen Schutzdienst mit ihm gemacht. Davor hatte ich ihm das Revieren, Verbellen, abrufen und den Rückentransport lediglich mit der Ballmaschine beigebracht. Nur so war sein überschäumendes Temperament händelbar und er konnte etwas lernen. Sein Griffverhalten leidet manchmal ein wenig unter seiner Aggressivität. Dann haut er in den Ärmel und hält ihn fest, egal, wie er ihn kriegt. Er legt sehr viel Härte in den Griff. Wenn er den Arm hat, dann schraubt er zu und verdreht ihn auch. Dago sucht immer den Kampf und nimmt seine Sache sehr ernst. Jeder Angriff ist gekennzeichnet durch eine unwahrscheinliche Wucht. Da kann er seine Dominanz mal so richtig raushängen lassen. Er will den Helfer dominieren. Daher haben wir ihn sehr viel in der Beute gearbeitet, sonst hätte ich zu harte Einwirkungen geben müssen.
Das Verhältnis Aggression:Beute würde ich mit 60:40 einstufen. Seine Arbeitsbereitschaft ist vorzüglich und wird immer und immer besser. Ich muss ihn eher bremsen als motivieren. Er will immer arbeiten, egal welche Tageszeit, egal was für Wetter. Es ist auch unerheblich, wo ich mit ihm bin, er macht überall sein Ding. Bei der BSP in diesem Jahr habe ich ihn in Baunatal einmal über die Hürden springen lassen und „voraus“ gemacht. Probleme mit der Umwelt kenne ich nicht von ihm. Zuschauer und Lärm interessieren ihn nicht. Bei großer Hitze lässt die Schnelligkeit schon mal ein wenig nach, was aber wohl auch seiner Größe geschuldet ist.
Dago steht meiner Meinung nach an der oberen Größengrenze und hat sehr kräftige Knochen. Sein Kopf ist sehr ausgeprägt und sein Fell grau mit braunen Abzeichen. Wenn er auf dich zukommt, dann ist das schon eine Erscheinung. Michael Kaiser hat mal gesagt, dass Dago der geborene Diensthund ist. Mit ihm könnte man problemlos einen Bahnhofsvorplatz alleine leer räumen. Schade, dass ein Hoden in der Bauchdecke geblieben ist und er deswegen nicht in der Zucht eingesetzt werden kann. Ansonsten ist er kerngesund.
Seine Eltern habe ich nie kennen gelernt, ebenso wie seine Geschwister. Ich weiß nur wenig über seine beiden Großväter (Manto Kahlenbach väterlicherseits, Gent Police mütterlicherseits). Ich würde sagen, dass das Derbe im Schutzdienst schon über Manto Kahlenbach kommt. In der UO ist er allerdings das totale Gegenteil von ihm.
Dago hat die SchH I, SchH II und seine erste SchH III jeweils im V gemacht und war somit für die LGA 2007 qualifiziert. Dort wurde er ebenfalls mit einer V-Prüfung Landessieger. 2007 auf der BSP fehlte es ihm noch an Selbstsicherheit, er war einfach noch nicht durchgearbeitet. Ich hatte auch, ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet, dass wir den Titel in Thüringen holen. In Meppen legte er dann eine SG-Prüfung ab. In diesem Jahr wurde er wieder Landessieger im V und wir erreichten in Baunatal den siebenten Platz. Dabei hatte dem Hund am Anfang niemand zugetraut, dass er je soweit kommen würde. Ohne die Unterstützung des Pro Staff Teams wäre das wohl auch nicht möglich gewesen. Gerade bei so einem Hund war es ideal von den Erfahrungen der anderen zu profitieren. Vor allem Michael Kaiser hatte viel mit ihm zu kämpfen, wir haben wahnsinnig viel zusammen trainiert. Ich habe auch oft mit Jogi, Jens und Bart telefoniert, mir Tipps geholt. Jeder freut sich über die Erfolge des anderen, Neid gibt es im Pro Staff Team nicht. Es herrscht eine absolute Ehrlichkeit. Dafür mein Dank an alle, besonders an Bart, der das Team so super zusammenhält. Eine große Hilfe waren auch immer die Mitglieder der Ortsgruppe Hassleben. Und nicht zu vergessen meine Frau Pia, die mich immer unterstützt. Ein besonderer Dank geht an meinen Sohn Tobias, der mir eine große Hilfe ist und unzählige Fährten für Dago legen musste und ihn oft gehetzt hat.